Zertifikat Live-Online-Trainer/in

Studienleiterinnen und Studienleiter von ThiF absolvieren eine Fortbildung

Seit 2015 arbeitet Theologie im Fernkurs mit der eLernplattform (über das System ILIAS). Verschiedene Elemente sind dort in den Kursen zugänglich: Foren, Chats, Lernmodule und auch virtuelle Klassenzimmer. Alle Studienleiterinnen und Studienleiter bei Theologie im Fernkurs durften schon die Erfahrung machen, welche Herausforderungen, aber auch Chancen ein Treffen mit Fernkurs-Teilnehmenden im virtuellen Klassenzimmer bereithält. Ausgerüstet mit Webcam und Mikrofon (vorzugsweise als Headset) wird in thematisch unterschiedlichen Studienphasen (systematisch-theologisch, biblisch, historisch und ethisch) mit den ebenfalls in Bild und Ton online zugeschalteten Studierenden über Fragen diskutiert und an Problemstellungen gearbeitet. Ein Online-Seminar – kurz ‚Webinar‘ genannt – und eine Präsenz-Studienveranstaltung an einem Ort, zu dem alle anreisen, weisen viele Parallelen und Ähnlichkeiten auf, dennoch gibt es Unterschiede.

Seminar und Webinar

In beiden Formaten (Webinar und Seminar) gibt es Kommunikation und Begegnung. Im Online-Format ist die Kommunikation aber wesentlich stärker formalisiert, da sie medial vermittelt wird. Mimik und Gestik sind über eine Webcam nur sehr unzureichend zu transportieren. Hingegen bietet das Online-Format über das Internet und das Einspielen von Informations- und Bildmaterial einen reicheren Schatz und vielfältigere Möglichkeiten der Kommunikation und Informationsvermittlung.

In einem Seminar hat das „Drumherum“ eine wichtige Bedeutung: Die Gruppe trifft sich im gleichen Raum, man begrüßt sich evtl. mit Handschlag, es gibt Zweier- und Kleingruppengespräche, man trinkt und isst zusammen. Vor allem aber sehe ich die bzw. den anderen sich bewegen, sich verhalten und umgekehrt werde auch ich gesehen und (körperlich) wahrgenommen. In einem Webinar kann ich zwar andere über die Webcam wahrnehmen, aber dieser Blick ist auf das Kamerabild beschränkt. Ein tatsächlich körperliches Verhalten zueinander ist kaum möglich, zusammen essen und trinken erst recht nicht. Die sinnliche Wahrnehmung konzentriert sich nahezu ausschließlich auf das Hören der jeweiligen Stimme und gelegentlich auf das Sehen von Folien oder anderen Unterrichtselementen (Bilder, Videos usw.).

Diese Liste der Unterschiede ließe sich noch fortführen. An dieser Stelle soll aber der kurze Einblick genügen, um zu verstehen, welche Chancen und Herausforderungen für Lehrende und Lernende einem Webinar zu Grunde liegen. Die Studienleitung von Theologie im Fernkurs hat sich daher entschieden, sich im Online-Bereich als Team fortzubilden und zwei Studienleiterinnen und ein Studienleiter haben auch bereits das Zertifikat als Live-Online-Trainer/in erworben. Eine weitere Kollegin und ein Kollege nehmen noch bis Ende Januar an der Fortbildung teil.

In sechs Lerneinheiten zum Zertifikat

Obwohl man es vielleicht gar nicht eigens betonen muss: Alle Lerneinheiten der Fortbildung zum/zur Live-Online-Trainer/in finden als Webinar statt. Niemand muss seinen Arbeitsplatz verlassen, um auf Dienstreise zu gehen. Die Herausforderung besteht eher darin, den Arbeitsplatz und die entsprechende Zeit so zu gestalten, dass konzentriertes Lernen störungsfrei möglich ist. Alle Lerneinheiten bestehen aus je einem Webinar, Selbstlernmaterialien und Transferaufgaben zum Üben des Erlernten. Die Materialien und Aufgaben sind auf der Lernplattform (in diesem Fall basierend auf Moodle) jederzeit abrufbar. Im Einzelnen wird folgender Weg durchlaufen:

  • Check-In Session: Kennenlernen – Technikcheck – Überblick über den Kurs
  • Lerneinheit 1: Training im virtuellen Klassenzimmer – worauf kommt es an?
  • Lerneinheit 2: Live Online Trainings und Webinare konzipieren und durchführen
  • Lerneinheit 3: Lerninhalte medial aufbereiten und professionell visualisieren
  • Lerneinheit 4: Wissen, was passiert – die Teilnehmer durch Interaktionen bei der Stange halten
  • Lerneinheit 5: Die organisatorischen Rahmenbedingungen für Webinare setzen
  • Lerneinheit 6: Akzeptanz für Webinare schaffen und exzellente Lernergebnisse erzielen
  • Prüfungseinheiten: Sie halten selbst ein kurzes Webinar (15-20 Min.)

Am Beginn steht das Medium selbst (Software und Internet) und es gilt, sich mit der Technik vertraut zu machen. Es folgt in klassischer Weise das Kennenlernen anderer Kursteilnehmer und abschließend wird ein Blick auf die zu leistende Wegstrecke geworfen. Schnell ist klar, dass alle Teilnehmenden bereits Erfahrungen haben und teilweise schon sehr professionell mit den Möglichkeiten eines Webinars umgehen. Dadurch bewahrheitet sich eine wichtige Erkenntnis aus Lehr-Lernprozessen generell: Die Teilnehmenden profitieren nicht nur von Inhalten und den jeweiligen Lehrenden, sondern ebenso profitieren alle in der Gruppe voneinander. Jeder Lernende ist ein Stück weit auch selbst ein Lehrender.

In den Lerneinheiten kann immer wieder auf vorhandenes Wissen aus den langjährigen Tätigkeiten in der Präsenzlehre zurückgegriffen werden: Lernstoff aufbereiten, als Präsentationen umsetzen und gezielt vermitteln durch Vortrag, Aufgaben, Fragen und Diskussion. Allerdings sind auch viele Änderungsdetails für die Übertragung in den Online-Bereich zu beachten: Die Stofffülle reduzieren, Inhalte elementarisieren, Folien einfach und zugleich mit Wort, Bild und Animation interessant gestalten. Nicht zuletzt ist die Einbeziehung der Lernenden sehr wichtig, da vor dem Bildschirm bzw. mit Zugriff auf das Internet zahlreiche Ablenkungsmöglichkeiten vorhanden sind (surfen, Mails lesen/schreiben usw.). Die Aufmerksamkeitsspanne im Webinar ist kürzer und die regelmäßige Aktivierung im Lehr-Lernprozess daher umso wichtiger.

Nach mehreren eigenen Präsentationen und Aufgabenlösungen in den Lerneinheiten absolvieren zwei Studienleiterinnen und ein Studienleiter ihr Prüfungswebinar mit Erfolg und erhalten schließlich ihr Zertifikat. Die Lernergebnisse der Fortbildung müssen nun in der Praxis noch umgesetzt und weiterentwickelt werden, aber die Lust an der Arbeit im Webinar ist gestiegen und wird sich dann hoffentlich bald auf die Studierenden in den virtuellen Klassenzimmern übertragen.