Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges — Blickrichtungen mit Potential

Anmerkungen des Leiters von Theologie im Fernkurs, vorgetragen beim Studientag "Theologie im Fernkurs der Zukunft" am 28. Juni 2022 in Würzburg

Theologie im Fernkurs steht mitten in und auch vor herausfordernden Zeiten. Ich vermute allerdings, dass diese Einschätzung auch schon alle meine Vorgänger bei Übernahme der Fernkurs-Leitung so empfunden und benannt haben. Eine Einrichtung, die sich in der Gegenwart nicht stets durch die Zukunft herausgefordert weiß, gehört schon in die Vergangenheit.

Das ist bei Theologie im Fernkurs keineswegs der Fall. Theologie im Fernkurs verfügt über eine große und erfolgreiche Vergangenheit, wovon allein über 61.000 Kurseinstiege in den letzten 52 Jahren zeugen. Das heißt konkret, dass sich statistisch in den letzten 52 Jahren jeden Tag 3,21 Personen für einen Kurs hier beim Würzburger Fernkurs angemeldet haben (sonn- und feiertags eingeschlossen – in Kürze ist das dank der Online-Anmeldemöglichkeit noch komfortabler möglich).

Aus meiner Sicht eine wirkliche Erfolgsgeschichte, an der zahlreiche Personen höchst engagiert mitgewirkt haben. Ihnen allen an dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank dafür!

Wie steht es aber nun um Gegenwart und Zukunft?
Über die Zukunft lässt sich bekanntermaßen weniger Konkretes sagen als über die Vergangenheit. Vielleicht hilft uns aber ein Blick auf das Bild, das wir für die Einladung zur heutigen Veranstaltung ausgewählt haben:

Ein altes Gemäuer, Kirchtürme, eine Glaskugel und viel schönes Wetter drumherum ...

Das Gemäuer und die Kirchtürme aber sind klar verortet: Es handelt sich um die Abtei St. Hildegard in Rüdesheim am Rhein. Es ist ein Ort, an dem rund um die heilige Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen vieles von dem zusammenkommt, was die 2000-jährige Geschichte der Kirche bis heute prägt:
Eine Verbindung aus Tradition und Innovation in der jeweiligen Zeit, die Auseinandersetzung mit den politischen Einflussgrößen der Zeit, die Kenntnis vieler Wissensbereiche, der Impuls, zu heilen und zu helfen und in diesen Bereichen auch nachhaltig zu wirken sowie zur Verantwortungsübernahme zu ermutigen. All das eingebunden in eine große Tradition des Gebets und der Mystik.
Es steckt also einiges drin in den alten Gemäuern der Vergangenheit, die die Gegenwart tragen und der Zukunft Raum geben.
Vor über 100 Jahren formulierte der Würzburger Dogmatiker Herman Schell in seiner programmatischen Schrift auch für heute nicht weniger passend, dass es stets um die "neue Zeit und den alten Glauben" gehe. Auf beides gilt es für die Theologie und besonders auch für Theologie im Fernkurs zu schauen: Die Verheutigung des Glaubens – um es mit einer prägnanten Formulierung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu sagen – muss maßgeblich sein!

Die Glaskugel im Bild sagt aus sich heraus nichts über die Zukunft aus. Es geht ja auch nicht um Magie oder Zauberei.

Wenn die Glaskugel aber vielleicht den Blick der Theologie auf Kirche und die gesellschaftliche Gegenwart, in der sie sich aktualisiert, symbolisiert, ist es womöglich die besondere Klarheit, die Tiefenschärfe, die die theologische Glaskugel bereithält. Die Klarheit der durchdringenden Analyse, der hintergründigen Reflexion und der Orientierung für gutes Handeln.

Was bedeutet das aber für Theologie im Fernkurs der Zukunft?

Die Klarheit von Analyse, Reflexion und Orientierung für gutes Handeln muss auch den Blick von Theologie im Fernkurs prägen. Hinzu kommt dem Auftrag als "Arbeitsstelle für Fernstudien" gemäß ein besonderer pädagogischer Blick auf eher klassische Fernstudiendidaktik wie auch auf Chancen der Digitalisierung im Fernunterricht.

Das heißt konkret für Theologie im Fernkurs:

  1. Wir sind eine kirchliche Einrichtung, die ihr Bildungsangebot aus dem Raum der Kirche heraus an alle Interessierten richtet.
  2. Wir ermöglichen einen Zugang zur Theologie für alle – auch ohne formale Hochschulzugangsberechtigung.
  3. Wir bieten Orientierung und Qualifikation:

    • Orientierung im weiten Feld theologischer Fragen, die auch in Wechselbeziehung zu Glaubensfragen stehen können und für den Glaubenshorizont neue Tiefe und Weite bedeuten können. Dieses orientierende Angebot in der Theologie gewinnt sicher auch zunehmend an Bedeutung bei größer werdenden Strukturen in den pastoralen Räumen sowie bei der wachsenden Bedeutung von ehrenamtlich Engagierten in den Gemeinden, die sich so – leicht zugänglich, und ohne große formale Hürden – theologisches Wissen im erprobten Weg des Fernstudiums aneignen können.
    • Qualifikation prägt Theologie im Fernkurs mit Blick auf Ausbildungswege für eine Tätigkeit als Gemeindereferent:in oder Religionslehrer:in im Kirchendienst bzw. als theologische Qualifikation auf dem Weg zum Dienst als Ständiger Diakon.

Beide Zugänge werden für Theologie im Fernkurs von großer Bedeutung bleiben: Der orientierend-informierende wie auch der qualifizierend-ausbildende. Und gerade das Zusammentreffen von Menschen mit ganz unterschiedlichen Studienmotivationen und -zielen macht das Besondere bei den Studienveranstaltungen von Theologie im Fernkurs aus. Diesen Schatz des wechselseitigen Wahrnehmens und des miteinander fachkundig angeleiteten theologischen Arbeitens und Diskutierens gilt es auch in Zukunft zu bewahren und weiter glänzen zu lassen. Das gehört zum Proprium von Theologie im Fernkurs.

Es ist gut, diese Wege gemeinsam mit anderen gehen zu können: Vielfältige Vernetzungen und Unterstützung in den Bistümern ist den Fernstudierenden und auch uns von Theologie im Fernkurs eine große Hilfe. Ich freue mich, dass zahlreiche diözesane Ansprechpersonen heute hier vor Ort zu Gast sind oder online zugeschaltet sind! Bleiben Sie bitte so engagiert für Theologie im Fernkurs!

Ja, und nun das schon angesprochene schöne Wetter drumherum auf dem Bild: Wir können das alles nicht allein schaffen. Theologie im Fernkurs ist auf eine günstige Großwetterlage angewiesen.

Liebe Frau Rönspies, lieber Herr Vollmer, liebe Christine Schrappe, an dieser Stelle wende ich mich nochmals besonders an Sie: Sorgen Sie bitte weiterhin dafür, dass die Rahmenbedingungen für Theologie im Fernkurs seitens der Deutschen Bischofskonferenz, hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen für Fernstudien allgemein sowie mit Blick auf Unterstützungsmöglichkeiten des Bistums Würzburg als für Theologie im Fernkurs zuständiges Bistum gut bleiben!

Einzelne Sparmaßnahmen-Wölkchen können wir schaffen, dauerndes Gewitter oder Starkregen ist nicht auszuhalten.

Letztlich geht es aus meiner Sicht für Theologie im Fernkurs darum, in der jeweiligen Zeit zu stehen und mit der Zeit zu gehen. Aktuell bedeutet das sicherlich, die großen Chancen der Digitalisierung im Fernstudienbereich zu nutzen und in das Angebot von Theologie im Fernkurs zu integrieren ohne die Errungenschaften des Bewährten vorschnell aufzugeben. Hier sehe ich uns aber auf einem sehr guten Weg, nicht zuletzt auch dank eines höchst engagierten Teams in Sachen Kursverwaltung und Studiengestaltung.

Ohne Euch im Team wäre Theologie im Fernkurs nicht so gut aufgestellt. Danke, dass Ihr Euch immer so vielfältig und begeistert einbringt und danke, dass Ihr mir den Einstieg als Leiter durch Euer kreatives Mitdenken leicht gemacht habt. Ich freue mich auf das gemeinsame Gestalten in den nächsten Jahren!

Diese hohe Identifikation mit Theologie im Fernkurs von aktiven und ehemaligen Teilnehmenden wie auch Referentinnen und Referenten nehme ich ganz besonders wahr und ist eine große Freude!
Möge es uns auch in Zukunft gelingen, Menschen mit Begeisterung, Engagement und Kompetenz in der Theologie zu orientieren und über diese zu informieren. Meinen Beitrag dazu leiste ich gern!